Horgen Junge Kunst im Schlüsselkeller
Landschaften „by night“ – mit Pinsel und Farbpistole
Tim Steiner fotografiert Szenen der urbanen Nacht, aber auch einsame Landschaften oder den See in der Dämmerung. Im Atelier sichtet er seine Beute und macht sich an den kreativen Akt. Er fügt verschiedene Aufnahmen zu einem neuen Bild, wobei die Fotos nicht etwa auf die Leinwand projiziert werden, wie der Maler betont.
Er zeichnet sie von Hand auf den Untergrund und greift anschliessend zu Farbpistole, Spraydose oder Pinsel. Gespenstisch leuchten ineinander verwobene Baukuben in der Nacht. Die Menschen scheinen abwesend oder schlafen hinter Fenstern, in denen sich Lichtreflexe spiegeln. Dynamik entsteht, wenn man von einem Lastwagen auf der Autobahn nur noch die Rücklichter sieht, die eine rote Pinselspur hinterlassen wie auf einem Foto mit Langzeitbelichtung. Die Atmosphäre von Schnelllebigkeit und Geschwindigkeit bringen Steiner in Fahrt. Er lässt Konturen und Farben verschwimmen oder setzt rasante Lichtspuren.
In den neusten Fotocollagen hat sich der Künstler wieder auf die Landschaft konzentriert. Von oben nach unten, von unten nach oben führt er uns durch eine Dämmerwelt zwischen hohem Berg und einer Strassenansicht, wie man sie im Auto vor sich findet. Die Übergänge zwischen den einzelnen Elementen verwischen die Orientierung, was man sich gerne gefallen lässt, entdeckt man doch plötzlich als märchenhafte Überraschung ein – Reh!
Pflastersteine und Kalter Espresso
Nebst der Ästhetik und den visuellen Effekten sind Steiner beim Malen und Bildnern die Ideen wichtig, die er mit den Werken transportieren will.
Der Künstler vergoldet Pflastersteine, setzt sie als Viererblöcke akkurat in einen Eisenrahmen, türmt sie aufeinander. Für Steiner symbolisiert dieses Werk die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt. Den Wählern werde oft das „Goldene“ vom Himmel versprochen, doch die Taten liessen auf sich warten. Sein Wunsch wäre es, mit den goldenen Pflastersteinen die Preistreiber zu sensibilisieren, damit für die weniger Betuchten auch etwas übrig bliebe. Vielleicht kämen sie beim Betrachten dieser Skulptur gar auf soziale Ideen.
Steiner bringt aber auch Dinge zum Schmelzen, einen alten Ölofen etwa, aber nur als minutiös nachgebaute Miniatur.
Eine gute alte Caffettiera hingegen fliesst als Original dahin. „Kalter Espresso“ heisst die witzige Skulptur, die beim Öffnen des Deckels ein unerwartetes Innenleben preisgibt.

