Verwelkende und gealterte Schönheiten
 

Die Galerie zum Schlüssel zeigt in ihrer neuen Ausstellung einen Querschnitt durch das florale Schaffen der Künstlerin und Fotografin Anna Halm Schudel zusammen mit Skulpturen von Beat Imfeld. Seit über zwei Jahrzehnten beschäftigt sich die Fotografin und Künstlerin Anna Halm Schudel mit Blumen in allen Stadien. Sie erforscht das Innenleben ihrer floralen Modelle und fertigt Nahaufnahmen, welche die erotische, aber auch unheimliche Dimension einer Blüte preisgeben. Fingrige Staubfäden scheinen nach dem Betrachter zu greifen oder umgarnen die geschwollenen Fruchtknoten. Die Künstlerin ist aber auch fasziniert vom Dahinwelken von Schnittblumen, welche beim Vertrocknen bizarre Verrenkungen vollführen. Legt man die Pflanzen in diesem Zustand auf einen Leuchtkasten, erscheinen sie wie naturwissenschaftliche Präparate. Jedes noch so feine Äderchen der durchleuchteten Membranen wird sichtbar.Einfach schön sind die prallen Dahlienköpfe, welche einzeln ins rechte Licht gerückt und porträtiert wurden. Unter ihresgleichen und quadratisch an der Wand arrangiert, blühen sie für eine kleine Ewigkeit. Anna Halm Schudel beherrscht als ausgebildete Fotografin ihr Handwerk perfekt und kombiniert es mit den Errungenschaften der digitalen Drucktechnik. Die Fotografie verlässt ihren angestammten Bereich und vermischt sich mit Sparten der bildenden Kunst.Auf Leinwand gebannte Blumen-Stillleben erinnern an die Malerei flämischer Meister, während einzeln abgebildete Pflanzen auf Büttenpapier wissenschaftlich-künstlerische Zeichnungen suggerieren.


 

 

Nägel mit Köpfen


Auch der Künstler Beat Imfeld ist fasziniert von der Vergänglichkeit, genauer gesagt,  von der Vergangenheit alter Gebäude. Steht eine Renovation an oder wird ein Haus ausgekernt, interessiert ihn der Bauschutt. Aus antiken Balken und Holzlatten  extrahiert er vorsichtig rostende Nägel. Beim Herausziehen achtet Imfeld darauf, dass sein zukünftiges Werkmaterial keinen Schaden erleidet oder zusätzlich verbogen wird. Aus den Nägeln gestaltet der Künstler elegante Skulpturen. Als ausgebildeter Goldschmied versteht er es, die metallenen Werkstücke wie von Zauberhand zusammenzufügen. Nagelköpfe werden zu Menschenköpfen, aber auch zu Schultergelenken oder Beckenknochen. Die Figuren sind vereinzelt oder stehen in Beziehung zu anderen, pflegen einen Austausch. Die im Lauf von Zeit und Beanspruchung entstandene Form des Nagels – gebogen, geknickt oder gar leicht schlangenförmig, bildet die Initialzündung für eine neue Skulptur.Auch die Podeste, auf welchen die Nagelmenschen stehen, sitzen oder schweben, stammen aus alten Gebäuden. Meist sind es Stücke aus Eichenholz, die Imfeld möglichst im Urzustand belässt, damit sie mit den leicht angerosteten Nägeln harmonieren.Beat Imfeld lebt und arbeitet als Goldschmied und Kunstschaffender in Küssnacht am Rigi.