Griechische Szenen im Schlüssel-Keller
Zu Gast im Schlüssel-Keller ist nun der Grafiker und Maler Platon Papadopoulos, der in Pfaffhausen lebt und arbeitet.
Eine rote Fähre zieht aufs blaue Meer
Platon Papadopoulos zeichnete und malte schon in seiner Kindheit aus eigenem Antrieb. Doch sein Primarlehrer in Griechenland hielt nicht viel von diesem Talent. Für ihn hatten die Fächer Rechnen und Schreiben Priorität. Was schon gar nicht in Frage kam, war, dass der Schüler die kostbaren Hefte für unnütze Zeichnungen verbrauchte. „Ich darf meine Hefte nicht illustrieren.“ Diesen Satz musste der kleine Platon fünfzig Mal zur Strafe niederschreiben, wenn er wieder einmal ertappt worden war.Zum Glück liess er sich durch diese Zwischenfälle nicht entmutigen. Schon als Knabe versuchte er, von Bekannten kleine künstlerische Auftragsarbeiten zu ergattern. Wie gerne hätte er jeweils noch mehr ausgeführt, als von ihm verlangt wurde.In seiner Freizeit besuchte er Werften, wo Boote ganz aus Holz gebaut wurden. Bis heute ist er von diesem aussterbenden Handwerk fasziniert, das er mit Wehmut zeichnerisch festzuhalten versucht. 1963 emigrierte er in die Schweiz, wo er sich an der Schule für Gestaltung in Zürich zum Grafiker ausbilden liess. Er wurde Art-Director in diversen Werbeagenturen. Für die Gestaltung von Plakaten erhielt er mehrmals Preise. Nach längerem Experimentieren mit Softpastell-Kreiden hat Papadopoulos zu einer ganz individuellen Malweise gefunden, die zu kopieren noch niemandem gelungen ist, auch wenn der Künstler nichts dagegen hat, wenn man ihm beim Arbeiten zuschaut. Er bricht die Kreiden entzwei und bemalt das Papier mit der flachen Bruchstelle. Um Tiefenwirkung zu erzielen, wählt er hie und da auch einen dunklen Malgrund. Denn beim Modellieren der Formen mit Softpastell lassen sich keine Schichten übereinander legen. Das bedingt, dass der Maler das Bild grob vorzeichnet und mit seinem grossen Fundus an handwerklichem Können das Entstehen der Szenen steuert. Jeder Strich muss sitzen, denn misslungene Partien lassen sich schlecht korrigieren.Für die Ausstellung im Schlüssel hat Papadopoulos Szenen und Landschaften gestaltet, wie wir sie von Ferien in Griechenland kennen oder zu kennen glauben. Fast scheint es, als zeige jedes seiner Bilder die zwei Seelen, die ihm seit der Emigration in die Schweiz innewohnen. Sein Herkunftsland inspiriert ihn thematisch, während die Schweiz vielleicht seinen Hang zu dezenter Farbgebung ausbildete. So hat die blaue Kuppel vor dem blauen Meer auf Santorini nichts mit den Fotos auf touristischen Postkarten gemein. Die weiche Kreide mildert die harten südlichen Kontraste, während die Farbgebung als integrierender Bestandteil der Komposition nie aus dem Konzept fällt.Diese Eigenart der Bildsprache zieht sich durch das ganze Werk, ob Papadopoulos nun Szenen in Werften, Schwammtaucher oder Frauenkörper malt.Dem Künstler liegt daran, dass der Betrachter die Lichtführung nachvollziehen kann. Ihm selber ist in erster Linie das harmonische Ausgestalten von Proportionen und Bildelementen wichtig. An seinem neusten Werk sind seine künstlerischen Absichten deutlich ablesbar. Eine rote Fähre zieht aufs blaue Meer hinaus. Sie muss den Hafen schon vor einiger Zeit verlassen haben, denn in der Ferne erscheint sie dem Betrachter vom Land aus winzig. Durch die leuchtende Farbe wird sie jedoch zum tragenden Bildelement erhoben. Im Vordergrund liegt in abgestuften Blautönen dramatisch inszeniert und übergross das armdicke Tau, mit dem das Schiff festgemacht war, halb auf dem Boden und halb um den Poller gewickelt.
Glaskunst und Schichtenbilder in der Galerie zum Schlüssel
