
Nando Meroni, Oberrieden
Bitte näher treten!
Einen besonderen Leckerbissen fürs Auge zeigt die Galerie zum Schlüssel im Januar. Auf Einladung von Karl und Rosmarie Wandeler stellt der Grafiker und Maler Nando Meroni aus Oberrieden seine neusten Bilder aus.
Die Werke Nando Meronis haben es im wahrsten Sinn des Wortes in sich. Vor luftig weissem Hintergrund entfalten sich prachtvolle Wunderblumen und märchenhafte Tiere, die der Fantasie des Künstlers entsprungen sind. Die mit Tusche fein ziselierten Details laden ein, die Bilder aus nächster Nähe zu betrachten, sich dem Sog des Innenlebens umrissener Farbflächen hinzugeben.
Manchmal entwickelt der Künstler ein Bild aus dem Zentrum, indem er eine stilisierte Blume vorgibt, an die sich raumgreifend weitere Elemente anschliessen, bis das Wunder vollendet ist. Die einzelnen Blütenblätter werden nicht nur mit Aquarellfarben ausgemalt, es macht fast den Anschein, als seien Farbflächen nur Ausgangspunkte für zahllose Figürchen und Ornamente winziger Welten, mit denen Meroni seinen Entwurf ausstaffiert. Zierwerk und eigenständige Minitur-Figuren aus filigranen schwarzen Strichen verbinden Bildelemente und geben dem Werk letztlich den inneren Zusammenhalt. Die Lust des Künstlers am Spiel mit der Unendlichkeit färbt auch auf den Betrachter ab. Es scheint, als könne das Auge nie alles erhaschen, was sich an winzigen Überraschungen in alle Richtungen ausbreitet.
Auch fantastisches Getier entsteht nach ähnlichen Vorgaben. Aus einer Spirale entsteht ein Rumpf. Vielleicht ergibt sich ein Wesen mit akkurat verzierten Flügeln, ein Tausendfüssler, dessen Gehapparat erst ganz am Schluss mit feiner Feder gezogen wird, wenn der Künstler findet, dass das Tier geerdet werden müsse.
Nando Meroni hat eine Lehre als Fotolithograf absolviert und anschliessend während mehr als dreissig Jahren Konzepte für Verpackungs- und Gebrauchsgrafik entwickelt. Mittlerweile nimmt er sich die Freiheit heraus, seine Intuition fliessen zu lassen und seiner Fantasie den ihr gebührenden Raum zu gewähren. So ist es ihm gelungen, eine unverwechselbare Bildsprache zu entwickeln, die ihn selber zum Sinnieren über Gott und die Welt veranlasst.


